Projekt GreenGrass: Beirat verbindet Praxis und Forschung 

Am 25.08. traf sich der Beirat für das Innovations-Projekt GreenGrass zur ersten konstituierenden Sitzung. In dem Projekt geht es um die praxisnahe Entwicklung von Fernerkundungs- und Virtual-Fencing-Techniken mit integrierten Datennutzungssystemen für die Weidehaltung in artenreichem Grünland. Der Beirat begleitet das Projekt und diskutierte in seiner ersten konstituierenden Sitzung die Möglichkeiten und Grenzen der Techniken sowie die Herausforderungen für die Weidehaltung in der Wesermarsch. 

Talea Becker und Professor Peter Feindt von der Humboldt-Universität zu Berlin (per Video zugeschaltet) stellten die wichtigsten Technologien vor, die in dem Projekt weiterentwickelt und an die Weidewirtschaft angepasst werden sollen. Nachdem für Stallhaltungs-Systeme über viele Jahre hinweg sehr viel Entwicklungsarbeit stattgefunden hat, gibt es in Bezug auf Weidehaltungssysteme einen Rückstand. Technologien wie GPS, Drohnen und Daten aus Satelitten sowie nutzerorientierte Datenintegration und -aufbereitung sollen so weiterentwickelt und angepasst werden, dass sie Weidetierhalter unterstützen und die Arbeit effizienter gestaltet werden kann. 

Wichtige Aspekte sind der Einsatz von zaunlosen Weidesystemen, bei denen weidende Tiere über ein Halsband akustische und elektrische Signale erhalten, die ihnen die Grenzen ihres Weidebereichs anzeigen. Indem auf feste Zäune verzichtet wird, könnte so in Zukunft der Weidebereich immer an die vorhandenen Futtermengen und die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden. Außerdem könnten so besonders wertvolle Bereiche für den Naturschutz kleinräumig ausgeklammert werden. Die hierbei anfallenden Daten sollen mit Förderprogrammen verknüpft und quasi automatisch zur Überprüfung der Einhaltung von Maßnahmen genutzt werden.  

Diese Technologien sollen in „Living Labs“ in drei Regionen (Südniedersachsen, Havel-Niederung und der Wesermarsch) getestet und verbessert werden und damit lange vor der Markteinführung mit den potentiellen Nutzern diskutiert, ausprobiert und an die Praxisbedürfnisse angepasst werden. 

Durch einen regelmäßigen Austausch mit wichtigen Akteuren aus der Landwirtschaft, dem Umweltschutz, dem Tierschutz, der Wirtschaft, der Verwaltung und der Beratung soll sichergestellt werden, dass die GreenGrass-Technologien nutzerorientiert und praxisrelevant sind. Zentral für die Living Labs sind Beiräte mit Mitgliedern aus allen relevanten Bereichen, die das Projekt von Anfang an begleiten, ihre Expertise einbringen und die Probleme der Technologien in der Praxis kritisch abschätzen. Hier können auch die verschiedenen Bedürfnisse und Sichtweisen thematisiert werden.  

Die Mitglieder des neu gegründeten Beirats sahen Chancen für die Technologien, diskutierten aber auch Herausforderungen. Insbesondere die Arbeitserleichterung und bessere Nutzung der Aufwüchse sowie eine gezielte Anpassung von Ernteterminen auch an die Bedürfnisse von Insekten wurden als Chance wahrgenommen. Als größtes Hindernis für den späteren praktischen Einsatz der Technologien sahen die Mitglieder hohe Kosten für die Technologien. Weitere Hindernisse könnten sich aus ihrer Sicht aus den generellen Problemen von Weidebetrieben wie zu geringen Erzeugerpreisen und bürokratischen Auflagen ergeben.   

 

Green Grass Beirat 3

von links: Minke Harbers, Talea Becker, Hartwig Tim, Kerstin Schröder,

Rolf Witt, Jan-Hinnerk Bruns, Jendrik Holthusen, Syds-Jan Boersma.

Foto: Grünlandzentrum

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