Internationales Treffen in Grazing4AgroEcology: 45 Junglandwirte zu Besuch in Norddeutschland

Internationale Netzwerkveranstaltung in Grazing4AgroEcology

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts „Grazing4AgroEcology“ (G4AE) organisierten das Grünlandzentrum (GLZ) und die Georg-August-Universität Göttingen (UGOE) am 21. und 22. Juni 2023 ein internationales Treffen unter Junglandwirten. 45 junge Landwirte aus 8 europäischen Ländern trafen sich in der Region Oldenburg, um sich über weidewirtschaftliche Themen wie Biodiversität, Grünlandmanagement und virtuelle Weidezäune zu informieren und auszutauschen. Durch Präsentationen, interaktive Workshops und Betriebsbesichtigungen sollte der Austausch und die Vernetzung zwischen den verschiedenen Nationen gefördert werden.

Weidemanagement

Bei einem Betriebsrundgang auf dem weidebasierten Milchviehbetrieb von Syds-Jan Boersma erfuhr die Gruppe zunächst etwas über die artenreiche Grasnarbe und das sogenannte „Topping“. Bei diesem Weidemanagementsystem wird das obere Drittel des Grases abgeschnitten (ca. 12 cm) und für etwa 12 Stunden als Grünfutter auf der Weide belassen. Das Topping-System hat sich unter trockenen Bedingungen bewährt, da die Futteraufnahme pro Kuh steigt und auch älteres Gras gefressen wird. Der Landwirt konnte im Laufe der Jahre feststellen, dass die Milchleistung trotz Hitzestress durch das Topping-Management konstant geblieben und ohne Hitzestress sogar gestiegen ist. Im Vergleich zum üblichen Weidemanagement (Grasnarbenhöhe von max. 10 cm) in Dürreperioden bietet Topping den Vorteil, dass weniger Rückstände und auch weniger für Rost anfälliges reifes Gras vorhanden sind. Es sei wichtig, so der Landwirt, den Betrieb krisenfester zu machen, Jungvieh im Betrieb aufzuziehen und die Kosten niedrig zu halten. Er ist überzeugt: „Man sollte das, was man hat, verbessern und erhalten, anstatt ständig wachsen zu wollen“.

Moor, Grünland und Tierwohl

Nächste Station war der Hof von Dirk Hanken, der als Veranstaltungsort für die 2. Deutschen Weidetage und die Young-Farmers-Tour diente. Erik Jansen (STOWA & Veenweide Innovatiecentrum, Niederlande) zeigte mit seinem wissenschaftlichen Ansatz „Reduktion von Treibhausgasen auf Moorböden“ die landwirtschaftlichen Möglichkeiten und Herausforderungen auf kohlenstoffreichen Böden auf. Caitlin Looney von Teagasc (Irland) diskutierte in ihrem interaktiven Workshop „Kleeansaat und deren Vorteile“ beispielhafte Methoden wie Nach- und Neuansaat. Lisa Oehlert (GLZ) setzte den Fokus ihres Workshops zum Tierwohl auf die Bedeutung von Wasserverfügbarkeit und Wasserqualität auf Weiden. Anhand einer Weidepumpe konnten die Teilnehmer simulieren, wie lange und mit welchem Aufwand eine Kuh Wasser trinkt.

Weidehaltung, Zaunsysteme und Biodiversität

Unter dem Thema „Wettbewerbsfähigkeit und ökologischer Nutzen von Weidebetrieben“ führte die Präsidentin des Europäischen Grünlandverbandes Agnes van den Pol-van Dasselaar (AERES, Niederlande) mit einem Vortrag über europäische Weidehaltung, Tierschutz, Agrarökologie und Biodiversität auf Weiden in den zweiten Tag ein. Martin Komainda und Friederike Riesch (beide UGOE) vertieften das Thema Biodiversität in Bezug auf deren Multifunktionalität auf beweidetem Grünland. Mit Fokus auf dem Ökosystem informierten sie über die Funktionen der artenreichen Grasnarbe und die Auswirkungen ihrer Zusammensetzung auf die Milchleistung. In der interaktiven Demonstration „Virtuelle Zäune“ (UGOE) hatten die jungen Landwirte die Möglichkeit, das Weidemanagement mit dem virtuellen Zaunsystem „NoFence“ zu simulieren. Mit Hilfe von Smartphones und Halsbändern für Nutztiere testeten sie das app-basierte System und seine Tonsignale, als wären sie Tiere, die den virtuellen Zaun passieren.

Innovationen in der Wertschöpfungskette

Auf dem Bio-Milchviehbetrieb Butendiek, der als einer der innovativsten Weidebetriebe mit dem Inno4Grass-Award ausgezeichnet wurde, lernte die internationale Gruppe ein Heutrocknungssystem kennen, das hochwertiges Heu zur Verbesserung der Milchqualität erzeugt. Der Betriebsrundgang umfasste auch die Vorführung eines Gülleschlauchsystems, das die Infrastruktur verbessert und die Bodenverdichtung zum Schutz der Bodenqualität verringert. Der Rundgang endete mit einer Käseverkostung in der eigenen Käserei des Landwirts.

Spannende Einblicke und Vernetzung

Das wertvolle Feedback der Junglandwirte zu der Tour war überwiegend positiv. „Es war spannend zu sehen, wie verschieden geführte Betriebe in der gleichen Gegend wirtschaften. Aber vor allem der Austausch untereinander, mit Landwirten aus verschiedensten Gegenden der EU, war sehr interessant und lehrreich“, so Erk Stehen, Student der Universität Göttingen, Fakultät für Agrarwissenschaften. Und auch die Veranstalter vom Grünlandzentrum und der Universität Göttingen waren sehr zufrieden: „Wir haben uns sehr gefreut, dass so viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen dabei waren. Vor allem die große Beteiligung aus Irland und den Niederlanden haben zu unserem Ziel, ein internationales Weide-Netzwerk aufzubauen, beigetragen“, meint Dietrun Thielecke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Graslandwissenschaft (UGOE). Die nächste Young-Farmers-Tour wird 2024 in den Niederlanden stattfinden. Wer Interesse an einer Teilnahme hat, kann sich bei Siw Fasting melden: siw.fasting@gruenlandzentrum.de