IMG 1098

Das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen lud letzte Woche die am Projekt Weidecoach beteiligten Milchkuhhalter zum Farmwalk. Thema des praktischen Austauschs waren Treibwege, Tränken und Zäune. Wir durften einige Tipps für Sie mitbringen.

Beitrag von Katrin Berkemeier Elite Magazin, veröffentlicht am 17.09.2018 

Beim vierten Weiderundgang, dem "Farmwalk", im Rahmen des Projektes Weidecoach vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V. trafen sich Weidecoach Lena Dangers und einige der am Projekt beteiligten Weidemilch-Landwirte auf dem Hof und den Weiden von Dirk Hanken bei Oldenburg.

Der Herbst naht und damit tendenziell die Nässe – Anlass des Treffens war es daher, sich in der Gruppe mit dem Thema Infrastruktur Weide und insbesondere Treibwegen auseinander zusetzen und dazu auszutauschen. Ganz gemäß dem Projekt-Motto "Wissen zur Weide zurück holen und dabei voneinander und miteinander lernen", so beschreibt es Lena Dangers, die als Projektleiterin auch die Weiderundgänge organisiert und moderiert.

"Das Wegenetz ist die Basis eines Weidesystems!

Die Eckdaten zum Betrieb Hanken: 190 melkende Kühe, 150 Hektar Grünland, davon 60 ha als reine Weidefläche (höchstens Schnittnutzung des 5. Aufwuchses) und 40 ha Mähweide, Weideperiode Anfang April bis Anfang November, 8.000 kg mittlere Herdenleistung, reiner Deckbullen-Einsatz, 1,5 km Wasserleitung für die Kuhtränken, 25 km Gräben.

Dirk Hanken führt seine Herde in zwei Gruppen, die auch getrennt weiden. Sie werden konsequent auf zwei verschiedenen Weidearealen gehalten: Heißt zwei Stallausgänge, zwei Haupttreibwege. Die Hauptreibewege ziehen sich als 3 m breite, befestigte Wege durch die zwei Weideareale. Von dem Hauptweg aus werden die einzelnen, unterschiedlich großen Weidestücken/Paddocks links und rechts beschickt. Diese sind durch Elektrozaun bzw. aufgrund des Moorstandorts durch die vorhandenen Gräben abgetrennt. Die Kühe haben Tag und Nacht Zugang zum Grünland und zum Stall, indem sie mit Grassilage sowie ihrem mineralisierten Ausgleichsfutter über die Kraftfutterstationen zugefüttert werden.

Zu den Melkzeiten werden die Kühe von Hankens mit einem Quad geholt, also in der Regel in einem relativ geschlossenen Verbund. Nach dem Melken verlassen sie den Stall nach belieben, laufen also in losen Grüppchen zu den Weiden. Wie die Kühe getrieben werden stellt einen der vielen Ansprüche an den Haupttreibweg und dieser ist die Basis eines erfolgreichen Weidesystems (= aufwuchsschonend, strukturiert, planbar, schneller Zugang der Kühe).

Ansprüche an und entsprechende Lösungen für den Haupttreibweg zur Weide:

  1. Den Aufwuchs schonen: Sind die Weideflächen arrondiert, ist ein befestigter Hauptweg sinnvoll! Messungen zeigen, dass Kühe die häufig halblose getrieben das Grünland überlaufen, das Wachstum des Aufwuchses nachteilig beeinflussen. Gibt es einen durch die Herdenführung hochfrequentierten Bereich, dann muss dieser gut befestigt sein, damit die Kühe bei Niederschlag nicht im Schlamm versinken! Oberziel ist immer ein schnelles Vorwärtskommen der Kühe und eine nachhaltig gute Klauengesundheit. Das sollte bei der Wegausführung Priorität haben. Muss die Herde nur gelegentlich über bestimmte Flächen getrieben werden, ist ein Abstecken eines 4 m breiten Wegs mit Zaun eine kurzfristige aufwuchsschonende Lösung.

  2. Weich und breit: Ob die Kühe im losen oder geschlossenen Verbund auf die Weide und zurück zum Stall gehen, ist eine Entscheidung, die im Betrieb getroffen werden muss. Weil sich die Kühe erstens gerne an eine Routine gewöhnen und zweitens, dies Einfluss auf die Ausführung der Wegausführung hat. Der Weg muss mindestens 3 bis 4 m breit sein. Sodass die Kühe im Verbund zügig nebeneinander laufen können bzw. Kühe sich allgemein gut überholen können. Wird im Verbund getrieben muss die Oberfläche auf der gesamten Breite des Weges klauenfreundlich ausgelegt sein, damit die Kühe auch wirklich nebeneinander laufen. Ideal: trocken und weich z.B. strukturierte Gummibeläge, durchwachsene Wabenmatten, feinkörniger (5 mm) Schotter aus weichem Stein (Schiefer, Rotstein) auf befestigtem Untergrund. Soll der Weg gleichzeitig mit dem Trecker befahren werden (Düngung, Ausmähen), wachsen die Ansprüche an die Befestigung im Untergrund zusätzlich. Hier ist Beton oder befahrbare Wabengitter eine teurere, aber je nach Unterboden langfristige Lösung bzw. verlegte Betonspalten eine günstigere Variante. Laufen die Kühe lose, kann auch mit einem schmalen klauenfreundlichen Streifen gearbeitet werden; z.B. auch zwischen Fahrspuren für Trecker.

  3. Belastbar: Kühe sind schwer und verteilen dieses hohe Gewicht sehr punktuell. Ein Haupttreibweg ist damit hohen Belastungen ausgesetzt. Damit keine 50 cm tief durchtretende "Schlammeile" entsteht, sind die Ansprüche an die Tragschicht hoch. Je nach Bodenart sind Wege daher sehr unterschiedlich anzulegen. Auf dem Moorstandort vom Betrieb Hanken besteht erschwerend das Problem, dass mit der Zeit alles an Material "absinkt" – also eine ewige Baustelle! Der Unterbau sollte je nach Standort ein dickes Fleece zum Trennen der Boden- und Tragschicht und eine 25 bis 30 cm dicke Tragschicht aus kantigem Schotter haben (verhakt sich). Darüber ist eine klauenschonende bequeme Laufschicht aufzubringen, die in Stand zu halten ist, damit der grobe Schotter nicht hoch kommt.

  4. Kein stehendes Wasser: Tödlich für jeden Treibweg bzw. jeden stark von den Kühen frequentierten Bereich ist stehendes Wasser. Hier durchweicht der Boden rasant und nachhaltig (!) bzw. befestigte Wege werden löcherig (Achtung: Klauengesundheit!). Heißt, beim Anlegen eines Weges ist zu berücksichtigen, dass dieser entweder mit Gefälle zu einer Seite ausgeführt wird (3 max. 5 %), damit Wasser abläuft oder dieser wasserdurchlässig ist (größere Herausforderung). Die regelmäßige Pflege der Treibwege, Tränkestellen und Eingänge der einzelnen Paddocks gehört bei der Umtriebsweide zum Alltag – heißt Löcher müssen stetig geflickt bzw. aufgefüllt werden.

  5. Keine scharfen Kurven: Damit Kühe zügig ihre Zielweide erreichen, um schnell mit der Futteraufnahmen beginnen zu können, dürfen sie auf dem Hauptweg nicht ins Stocken geraten. Daher sollte dieser gerade und in sanften Kurven ausgeführt sein sowie frei von Hindernissen oder auch Tränken sein, die die Kühe Ablenken und zum Halten anregen. Laufen die Kühe dagegen im lose Verbund, können Tränken auch am genügend breiten (!) Hauptweg installiert sein.

  6. Wegbreite voll nutzen, aber Wegkante schützen – der Zaun: Ein Hauptreibweg zu befestigen ist eine Investition. Damit dieser lange hält, ist die Umzäunung des Weges eine Steuerungsgröße. Damit der Weg von den Kühen in voller Breite genutzt werden kann (Bauchüberhang der Kühe nach links und rechts berücksichtigen!), diese aber auch nicht die befestigte Wegkante kaputt treten, hat sich ein Abstand des Zaunes von der Wegkante von 30 bis 40 cm bewährt.



Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok