Berater und Betroffene diskutieren auf Einladung des Grünlandzentrums - Ipweger Moor/Elsfleth, 29. Januar 2020. Die dramatische Feldmaus-Plage auf den landwirtschaftlichen Flächen in Niedersachsen hat das Grünlandzentrum veranlasst, kurzfristig Experten aus der Region zu einem Gespräch zusammenzubringen. Auf den Versuchsflächen des Moorschutzprojektes „Swamps“ trafen sich deshalb gut ein Dutzend Berater und Betroffene. „Wir wollen Argumente sammeln und mögliche Lösungen diskutieren“, formulierten Jendrik Holthusen und Sandra Honegger vom Grünlandzentrum das Ziel dieses so genannten Farmwalks (Farmbesuch). Die Farmwalks sind Bestandteil des EU-Projektes Nefertiti, in dem das Grünlandzentrum als deutscher Partner dazu beiträgt, thematische Netzwerke aufzubauen.

Die Schäden der Feldmäuse sind auf der Versuchsfläche im Ipweger Moor mit bloßem Auge gut zu erkennen. Der Boden ist stark durchlöchert und braun. Mäuse haben nicht nur das Gras, sondern auch die Wurzeln gefressen. Zu ernten gibt es hier vorerst nichts. Auf der Fläche nebenan, die mittels Unterflurbewässerung sehr nass gehalten wird, sieht es indes noch relativ grün aus. „In den Niederlanden hat man vor zwei Jahren, als es dort eine ähnliche Plage gab, einfach die Flächen geflutet“, weiß Jendrik Holthusen von seinen Kollegen, mit denen das Grünlandzentrum in zwei EU-Projekten zusammenarbeitet. Überflutung sei aber für Niedersachsen keine Option, sagt er.
Mäuse habe es immer gegeben, wissen die Landwirte. Eine ähnliche Plage, wie jetzt nach zwei sehr trockenen Jahren und einem milden Winter, aber zuletzt in den 1970er und 1980er Jahren. Die Hoffnung der Landwirte, dass Kälte oder Krankheit zum Einbruch der Population führen, hat sich bisher nicht erfüllt. Gemeinsam mit Vertretern von Landwirtschaftskammer und Beratern von Saatgutbetrieben überlegen sie, welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen. Das Säen von einem Hafer-Gras-Gemisch schlagen einige vor. Vorübergehend Mais anbauen, andere. „Eine richtige Störung der Infrastruktur der Mäuse erreichen wir nur, wenn wir den Boden umbrechen“, sagt ein Betroffener: „Die Frage ist: Dürfen wir das auch?“

„Es wird keine pauschale, für alle gültige Lösung geben. Die Situation ist komplex und muss je nach Standort entschieden werden“, schätzt Frerich Wilken von der Landwirtschaftskammer die Situation ein. Kopfzerbrechen bereitet ihm zudem die im Raum stehende Verschärfung des Düngerechts.
Hoffnung versprechen sich die Landwirte jetzt von der Politik, die ein Krisengespräch für Ende der Woche angesetzt hat. „Wenn wir das Grünland als Futtergrundlage für unsere Kühe erhalten und unsere Existenz nicht verlieren wollen, brauchen wir entsprechende Befugnisse, um zu handeln“, sind sich Berater und Betroffene einig: „Und das sehr schnell, nicht erst in ein paar Wochen.“

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