Biotopverbund: Neues Projekt am Grünlandzentrum

Auftaktveranstaltung 1 in Rastede

Rastede Auftaktveranstaltung Biotopverbund Grasland (v.l.): Marcus Polaschegg (LWK Niedersachsen), Mathias Paech (Grünlandzentrum), Dr. Karsten Padeken (Landvolk Wesermarsch), Dr. Arno Krause (Grünlandzentrum), Dr. Christian Dolnik (Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein) und Prof. Rainer Buchwald (Universität Oldenburg). Foto: Edith Kahnt-Ralle, LAND und Forst

 

Die Presse schreibt über die Auftaktveranstaltung:

 Der Rückgang von Vogelarten, Insekten- und Pflanzenarten wird nicht mehr länger nur beklagt und hingenommen. Nun sollen Taten folgen. Bereits seit 2002 wurde die Bedeutung von einem Biotopverbund für den Erhalt der Biodiversität im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Für die Bundesländer wurde festgelegt, dass auf mindestens 10 % ihrer Landesfläche der Biotopverbund verbindlich umzusetzen ist.

Seit Juni 2017 bahnt sich nun die Verschärfung an, die zum Handeln zwingt:

Denn seit diesem Zeitpunkt hat der Gesetzgeber erstmalig Fristen gesetzt, und zwar bis Ende 2027. Spätestens dann sollen Biotopverbundsysteme grenzübergreifend eingerichtet sein. Darauf wiesen Dr. Arno Krause, Leiter des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen in Ovelgönne, Landkreis Wesermarsch, und sein Mitarbeiter Mathias Paech anlässlich der Auftaktveranstaltung „Biotopverbund Grasland“ vergangene Woche in Rastede hin. Dort stellten sie das neue seit Oktober 2017 laufende gleichnamige Forschungsprojekt am Grünlandzentrum vor. Dessen Leitung hat Paech übernommen, der seit Anfang 2017 beim Grünlandzentrum arbeitet.

Zusammen mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Universität Oldenburg und dem NABU Oldenburger Land will das Grünlandzentrum bis Ende 2021 ein Konzept für einen Grünland-Biotopverbund beispielhaft für eine Pilotregion erarbeiten. „Proaktiv und freiwillig“ sollen sich alle Betroffenen an diesem Konzept beteiligen können. Krause: „Es geht hier nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern eine Lösung zu finden, die für alle Betroffenen wirtschaftlich tragfähig ist“. Vertreter aus Landwirtschaft, Umweltschutz und Wissenschaft sind damit gleichermaßen gefordert.

Die Hauptursachen für den Verlust der biologischen Artenvielfalt sehen Experten vor allem in der Veränderung der Lebensräume vieler Arten und damit auch in der teilweise aus wirtschaftlicher Notwendigkeit sehr einseitig ausgerichteten landwirtschaftlichen Nutzung. Verstärkte negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt sind in den nächsten Jahrzehnten auch durch den Klimawandel und die Nährstoffüberfrachtung der Naturgewässer zu befürchten. Einbezogen in das Projekt wird aber nicht nur das Wirtschaftsgrünland der Landwirte, sondern auch das kommunale bzw. private Grasland (z.B. Randstreifen).

Woraus besteht aber ein Biotopverbund?

  • Aus den Kernflächen, also den Lebensräumen von Pflanzen und Tieren, wo ihre Populationen stabil gehalten werden können (z.B. Naturschutzflächen)
  • Aus den Trittstein-Biotopen, die als flächige Verbindungselemente zwischen den Kernzonen den Arten nur vorübergehend eine Bleibe bieten.
  • Aus den Korridoren, die als bandförmige Verbindungselemente eine wichtige Funktion bei der Vernetzung der Kernflächen erfüllen.
  • Aus Pufferzonen, die um die naturschutzfachlich wertvollen Flächen gelegt werden und diese vor negativen Einflüssen schützen.      

Generell werden Biotope durch eine Vernetzung aufgewertet und dem Artenrückgang damit besser entgegengewirkt, als durch abgekapselte reine Naturschutzflächen ohne Verbundstrukturen. Das Projekt „Biotopverbund Grasland“ soll ein Konzept erarbeiten, das im Sinne der nationalen Biodiversitätsstrategie einen Biotopverbund im offenen Grasland anhand der Gegebenheiten vor Ort entwirft. Die Finanzierung hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt übernommen. Zur Verfügung stehen für den Projektzeitraum vom Oktober 2017 bis Januar 2021 insgesamt 250.000 Euro Fördergelder.

Projektleiter Paech schilderte das genaue Vorgehen:

  • Ausgangspunkt sind die Kernflächen in den Landkreisen Ammerland, Wesermarsch und Oldenburg.
  • Die Kernflächen werden gemeinsam mit den Unteren Naturschutzbehörden benannt und anschließend von Projektmitarbeitern der Universität Oldenburg und des NABU kartiert.
  • In den Kernflächen werden die Zielarten (zu schützenden Arten) erfasst.
  • Diese werden in einem Geoinformationssystem (GIS) als Planungsgrundlage hinterlegt.

Sodann suchen die Projektleitung und die Unteren Naturschutzbehörden gemeinsam zwei Gebiete pro Landkreis aus, die in dem Projekt vertiefend bearbeitet werden. Das bedeutet, dass die notwendigen Verbindungsgebiete für die Kernzonen wissenschaftlich beschrieben, aber auch die Nutzungsstruktur (u.a. Landwirtschaft) der Räume analysiert werden. Es sollen Flächennutzer gefunden werden, die bereit sind, lineare bzw. flächige Strukturen für den Biotopverbund bereit zu stellen. Im Rahmen der Erhebungen werden Flächen festgelegt, die zwingend für das Verbundsystem gebraucht werden. Außerdem sind Finanzierungs- und planerische Steuerungselemente zu erarbeiten.

Paech betonte in seinem Fazit, dass der Erfolg des Projektes stark von der betroffenen Landwirtschaft abhängen wird das gesellschaftliche Ziel „mehr Biodiversität“ nur zu erreichen ist, wenn es für die betroffenen Akteure in den Projektregionen ökonomisch tragbar ist. Während der Veranstaltung stellten Prof. Rainer Buchwald von der Universität Oldenburg, Marcus Polaschegg von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Dr. Christian Dolnik von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein interessante Ansätze vor, die helfen können, den Artenschwund zu stoppen.  

Die anwesenden Vertreter der Landwirtschaft appellierten an die Projektträger, alle die Flächen zu erfassen (z.B. auch die Kompensationsflächen auf Grünland), die bereits in irgendeiner Weise zum Artenschutz beitragen bzw. auch Kommunen mehr in die Pflicht zu nehmen. Dr. Karsten Padeken, Kreislandwirt Wesermarsch und Vorsitzender des Grünlandzentrums, stellte abschließend fest: „Es wird immer wieder Ansprüche an das Grünland geben, wir müssen schauen, wie wir diese in unseren Betrieben umsetzen können“. Flexibilität bei den Maßnahmen ist aus landwirtschaftlicher Sicht dabei ein ganz wichtiger Faktor. Kein Flächenbewirtschafter möchte sich auf immer und ewig zu einer Maßnahme verpflichten. Dadurch wird die Entwicklung der Betriebe behindert. So etwas wird in der Landwirtschaft die Akzeptanz jeglicher Maßnahmen behindern.

Autorin dieses Beitrages ist: Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst

 

 

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