Grünlandzentrum
Niedersachsen/Bremen

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„Charta Weidehaltung“ klares Bekenntnis zum Erhalt des Grünlandes und zur Vielfalt der Betriebsformen

„Mehrleistung engagierter Bauern honorieren“

Zugeschnitten

In feierlichem Rahmen hat am 28. Oktober 2015 Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer gemeinsam mit dem Grünlandzentrum Niedersachsen-Bremen und fast 20 Vertretern aus Landwirtschaft, Wirtschaft und von Nichtregierungsorganisationen die „Charta Weideland Norddeutschland“ im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft in Aurich unterzeichnet. „Dass so viele diese Charta unterstützen, finde ich großartig“, sagte Meyer. „Das Dokument ist eine wichtige Wegmarke für Niedersachsens ambitioniertes Weidemilchprogramm und ein klares Bekenntnis sowohl zum Erhalt der Weidehaltung als auch zur Förderung von Grünland, Tierwohl unterstützender Weidehaltung, kultureller Tradition und Artenvielfalt.“

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem neben landwirtschaftlichen Organisationen wie der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und dem Landvolk auch Natur- und Umweltschutzverbände, Molkereien, die Universität Göttingen, die Welttierschutzgesellschaft, Slow Food Deutschland und das Grünlandzentrum Niedersachsen-Bremen. Dieses koordiniert seit Frühjahr 2014 das vom Land Niedersachsen mit insgesamt fast 290.000 Euro geförderte dreijährige Projekt „Weideland Niedersachsen“, an dem auch die Georg-August-Universität Göttingen und die Molkerei Ammerland beteiligt sind. Grünlandzentrum-Geschäftsführer Arno Krause lobte die richtungsweisende Bedeutung der Charta: „Wer Grünland schützen will, muss dafür sorgen, dass es sinnvoll genutzt wird“, so Krause. Ziel müsse sein, die Wertschöpfung in der Landwirtschaft zu steigern und zugleich die Ansprüche der Gesellschaft zu berücksichtigen.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister wies darauf hin, dass die Charta genau zur richtigen Zeit komme. „Alle Unterzeichner wollen sich dafür einsetzen, dass die Weidehaltung von Milchkühen als prägendes Merkmal von Landschaft und Landwirtschaft eine Zukunft hat und nicht zum Auslaufmodell wird.“ Die Charta diene überdies dem Erhalt des Grünlandes und sei „die Stärkung einer Produktionsform, die auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung stößt“. Diesen Trumpf wolle Niedersachsen noch stärker vermitteln und dafür auch eine bessere Honorierung generieren. Meyer: „Milch ist ein wertvolles Lebensmittel und kein Fall für die Resterampe. Sie hat nicht nur einen höheren Preis, sondern auch höhere Wertschätzung verdient.“ Der Minister fügte hinzu: „Die Gesellschaft will mehrheitlich Kühe auf der Weide sehen. Deshalb sollte durch eine klare Weidemilchkennzeichnung auch eine höhere Wertschöpfung beim Verbraucher erzielt werden können“, sagte der Landwirtschaftsminister und verwies auf entsprechende von der Universität Göttingen im Auftrag des Landes erstellte Marktanalysen. Er mache sich Sorgen, „dass sich die Tendenz zur ganzjährigen Stallhaltung verfestigt. Diesem Trend wollen wir auch mit der Charta entgegensteuern.“

Die Unterzeichner der Charta bekennen sich zur „Aufrechterhaltung der Weidehaltung von Milchkühen als relevanter Bestandteil der norddeutschen Produktionssysteme“. Sie plädieren für eine „diversifizierte Milchwirtschaft“, um flexibler auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Zugleich loben sie die positiven Effekte der Weidehaltung auf Umwelt, Tiergesundheit, Landschaftsbild und Tierwohl. Ganz wichtig: Laut Charta sollen zusammen mit Landwirten, Molkereien, Handel, Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Nichtregierungsorganisationen Kriterien für Weidemilch und Weidegang definiert werden.

„Der Mehrwert des Weidegangs soll für die Gesellschaft deutlich sein“, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer und plädierte für eine transparente Kennzeichnung. „Die Mehrleistung engagierter Bauern muss honoriert werden. Milch insgesamt und Weidemilch im Besonderen sind mehr wert als die derzeit dramatisch gefallenen Preise.“ Meyer machte in diesem Zusammenhang eines klar: „Niedersachsen ist Weideland Nr. 1. In keinem anderen Bundesland grasen so viele Kühe wie in Niedersachsen.“ Die Charta setze sich dezidiert für den Erhalt der Weidehaltung als Chance für bessere Milch- und Käsepreise ein. Zugleich sollten die Verbraucher die Möglichkeit erhalten, „nach transparenten Standards einzukaufen und den Mehraufwand von Kühen auf der Preise angemessen zu honorieren“, so der Minister. Dafür hat das Land Vermarktungsstudien bei der Universität Göttingen in Auftrag gegeben, die heute im Anschluss an die Charta-Unterzeichnung von Professor Achim Spiller vorgestellt wurden. Ein Fazit daraus: Die Verbraucherinnen und Verbraucher signalisieren eine hohe Zahlungsbereitschaft sowohl für zertifizierte Weidemilch als auch für Förderprogramme zur Honorierung von Weidehaltern.